Dolomiten Fotowanderung. Wie 10 Teilnehmer in 4 Tagen Entschleunigung 100 verschiedene Perspektiven gewannen.

Anfang Oktober fotografierten 10 enthusiastische Fotografen, in Begleitung des internationalen Fotografen John McDermott und Fine Art Printing Spezialisten Hermann Will, auf täglichen Wanderungen die herbstlichen Dolomiten. Über 4 Tage erkundeten die Amateur Fotografen unter Anleitung zweier Profis und der lokalen Wanderführerin Karin Pizzinini die zum Gadertal gehörende Region Alta Badia.

Ausgerüstet mit Kamera, Filter, Stativ, aber insbesondere mit unterschiedlichsten Sichtweisen wurden bei Sonne, Nebel und Schnee Steilwände, Berggipfel, Silberdisteln, grüne Hügellandschaften und weiß gepuderte Felsen fotografiert. Die Dolomiten sind aber mehr als nur massive, beeindruckende Berge, Gipfel und Schluchten. Die Menschen, die Architektur und das Essen sind Teil der Bergwelt und speziell in dieser Region geprägt durch Jahrhunderte alte Ladinische Kultur. Auch diese erlebten und fotografierten die Teilnehmer.

 

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©Walter Zettler, Dolomiten Fotowanderung 2016, Hof Alfarei, Alta Badia

Jeder Mensch sieht anders, achtet auf andere Ansichten oder Details. Die Fülle der unterschiedlichen Eindrücke und Szenen auf täglich verschiedenen Wanderungen brachten eine Bandbreite an Motiven hervor, die nicht nur qualitativ beeindruckten sondern vielfache „Wau – das habe ich nicht so gesehen!“ Reaktionen hervorriefen. Dies zeigt, wie der Prozess des Fotografierens in einer inspirierenden Gruppe und stimulierenden Umgebung die Fähigkeit zu Beobachten weiterentwickelt.

Denn die meisten Menschen „sehen“, aber sie „beobachten“ nicht. Zu Beobachten bedeutet nicht nur etwas passiv zu betrachten, sondern ist ein aktiver mentaler Prozess, bei dem man bewusst, umsichtig und aufmerksam schaut. (Wie ein Teilnehmer bemerkte, wie oft schaute er in den Kühlschrank und sah die Marmelade vor seiner Nase nicht, die er suchte.) Bewusst zu schauen ist eine Fähigkeit, die man sich angewöhnen und üben kann. Die Fotografie ist ein ideales Mittel dazu, das auch noch Spaß macht, das Beobachtete sogar „festhält“ und die Kreativität befriedigt. Und es braucht Zeit.

 

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© Ralf Meichsner, Dolomiten Fotowanderung IF/Academy 2016

Sich etwas mehr Zeit zu nehmen heißt aber nicht, langsam zu sein. Es bedeutet, sich einen Moment zu gönnen und aufzunehmen, was wir sehen. Details, Licht, Schatten, Farben und Ausblicke zu erkennen, denen man sich vorher vielleicht nicht bewusst war. „Der Weg ist das Ziel!“, so brachte FineArtPrinter Herausgeber Hermann Will den Prozess auf den Punkt. Und das wurde sichtbar. Workshopleiter John McDermott war beeindruckt, wie die Teilnehmer sich ganz in ihren persönlichen Motiven verloren, in ihrer Fotografie entlang der Wanderpfade. Entschleunigung zeigte sich in der Zeit, in der die einzelnen Fotografen ihre Perspektive fanden und sich dieser widmeten. Auf dem Waldboden liegend und Herbstzeitlose fotografierend, oder auf verschneiten Gipfelpfaden ausharrend und Bergpanoramen bei Sonnenaufgang fotografierend, die Teilnehmer folgten ihren eigenen Gefühlen oder Anregungen der anderen um fantastische Bilder zu produzieren.

 

 

„Fotografieren und Wandern ist Entschleunigung“, sagt Teilnehmer Rudi Kalthoff. Damit hat Rudi ausgedrückt, wofür die IF/Academy unter anderem steht. Einen Raum zu bieten, indem man sich mit Gleichgesinnten in die Fotografie vertiefen und gegenseitig inspirieren kann. Die Fotografie bietet die Möglichkeit, einen Schritt zurückzutreten und andere Perspektiven einzunehmen. Sie ist ein Ausgleich zum oft anstrengenden Beruf und Alltag und bietet die Möglichkeit, Impressionen und Inspirationen aufzunehmen, die den Geist erfrischen und zusätzlich nähren. Dies haben die Teilnehmer der Fotowanderung zur Genüge genutzt. Die Ruhe der Berge, das oft „langsamere“ Tempo der Einheimischen auf dem besuchten Hof und die langen Gespräche Abends bei Wein und lokalen Spezialitäten trugen dazu bei.

Die Bilder zu bearbeiten, zu diskutieren und auszudrucken rundete den Entschleunigungsprozess ab. Das bewusste Betrachten der Bildergebnisse zusammen mit  John McDermott und Hermann Will, die auf Bildausschnitte, Elemente, ein „Bild im Bild“ oder Lichteffekte hinwiesen, schärfte weiter den Blick des Kreators des Bildes. Das Gefühl der „Entschleunigung“ wurde untermalt, als man das Ergebnis letztendlich als Fine Art Druck in der Hand hielt, ermöglicht durch den Druck Spezialisten und unermüdlichen Promoter für das gedruckte Bild Hermann Will. Man flippt nicht nur auf dem Bildschirm durch die digitale Bilderflut. Teilnehmer wählten aus, setzten sich mit ihrem Bild und ihrer Beobachtung auseinander. Der Input von Hermann Will, John McDermott und der Gruppenmitglieder wurde reflektiert. Meinungen gehen dabei auseinander, das schärft das Bewusstsein. Am Ende hielt jeder Teilnehmer mehrere A3-große Fine Art Prints in der Hand und konnte mit Recht stolz auf sich sein.

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©Rudi Kalthoff, Dolomiten Fotowanderung 2016

Fotografieren und Wandern ist Entschleunigung. Die Teilnehmer haben sich selbst ein Geschenk gegeben: Die Zeit und Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten ein Fotografie Erlebnis zu teilen, sich dabei auszutauschen und sich sowohl von der täglich wechselnden Umgebung als auch von den anderen in der Gruppe und den anleitenden Referenten inspirieren zu lassen. Sehen, beobachten, zuhören, fotografieren und gemeinsam Spaß haben – welche Entschleunigung gönnst Du dir?

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