Ausrüstung versus Mensch – wer beherrscht wen?

“Es ist verführerisch, sich ewig lange mit der Ausrüstung, der Ausstattung oder dem Material zu beschäftigen. Dabei ist es höchst selten der Fall, von Ausnahmen mal abgesehen, dass das den entscheidenden Unterschied macht. Es sind fast immer die Menschen, die den Unterschied machen. Menschen, die echte Profis sind, die mit Herz und Seele dabei sind und einen Unterschied für sich und andere machen wollen.” Diese Anmerkung ist kein Zitat aus einem Fotomagazin oder Fotografie Blog, sondern stammt aus einem Blog zu Management, der Management Vordenker Förster & Kreuz.

Würde man einen Bode Miller oder Alberto Tomba ältere Skimodelle unter die Füße schnallen, würden sie immer noch vor dem mittelmäßiger Abfahrtsläufer mit den neuesten Skiern das Rennen gewinnen.

Keine Frage, dass eine gute Ausstattung gut, richtig und wichtig ist für viele Disziplinen, ob in der Fotografie, im Sport, bei der Arbeit. Die neuesten technischen Entwicklungen tragen zu verbesserten Leistungen und Ergebnissen bei. Die Möglichkeiten, die Kameras heute bieten, sind fantastisch und beeindruckend. Oft wird dabei aber vergessen, dass dahinter ein Mensch mit Fähigkeiten, Ideen, angesammelten Erfahrungen, Übung und Geduld steht, um ein spannendes oder herausragendes Ergebnis zu erzielen.

Fotografenlegende Ansel Adams sagte mal: “You don’t make a photograph just with a camera. You bring to the act of photography all the pictures you have seen, the books you have read, the music you have heard, the people you have loved.” Das Werkzeug folgt der Vision und Kreativität. Technisch perfektes Bild aber ohne Konzept und ohne Emotionen? “There’s nothing worse than a sharp image of a fuzzy concept”, sagt Ansel Adams.

„Die wichtigste Ausrüstung eines Fotografen ist seine Fähigkeit, zu sehen und intensiv zu beobachten, ob Licht, Menschen oder Situationen. Daraus werden Bildideen, zu deren Umsetzung die Kamera lediglich ein Werkzeug ist“, beschreibt die Fotografin und Journalistin Heike Rost den Prozess des Fotografierens.

Letztendlich steht dahinter, dass man sich mit der Technik und Bedienung der Kamera auseinandersetzt und so zu eigen macht, dass sie im Unterbewusstsein mitläuft und ausgeführt wird, wie wenn man beim Autofahren ohne nachzudenken die Schaltung und Kupplung betätigt. „Fototechnik steht der Bildaussage nicht entgegen, wenn der Fotograf sich von eben dieser Technik nicht beherrschen lässt“, sagt der Kölner Fotograf Paul Leclaire. „Wer Fototechnik für seine Bilder richtig und „einfühlsam“ einsetzt fängt Momente und Emotionen ein, immer vorausgesetzt, ich weiß, was ich an der Kamera einstelle.“

Hier kann es durchaus auch mal helfen, sich innerhalb selber gesetzter Grenzen zu probieren. Nur mit einem Objektiv arbeiten, so dass man sich darin übt, seine Position in Relation zum Subjekt oder der Szene zu verändern und über die Komposition nachzudenken. Das Fotografieren mit Film zwingt einen dazu, sich auf wenige, gut ausgeführte und durchdachte Aufnahmen zu begrenzen. Die Grenzen und Möglichkeiten einer Kamera zu kennen und sich einen Pool an Ideen und Erfahrungen aufgebaut zu haben, lassen einen in jeder Situation beeindruckende Bilder produzieren, auch wenn man mal „nur“ mit einer einfachen Kamera oder nur einem Objektiv ausgestattet sein sollte.

Wer weiß, wie man mit Licht und Positionen arbeitet, wie man Momente voraussehen und schnell reagieren kann, wie man Komposition und Kreativität einfließen lässt produziert oft ein Bild, das mehr berührt oder zum Nachdenken anrührt, als ein Bild, das in perfekter Schärfe und mit hoher Megapixelzahl erstellt wurde. Der Mensch macht den Unterschied. Seine Leidenschaft, sein Einsatz, seine Kreativität können ausgelebt werden, wenn die Fixierung auf die perfekte Technik etwas entspannter angegangen wird.

Ein etwas anderer Tipp des berühmten Fotografen Sebastiao Salgado soll hier noch zur Anregung angefügt werden:

„Understand what you want to shoot. Understand the impact your work could have. Study what makes the world move. Don’t just be a guy with a camera, because we all are.”

Photocredit © Ralph Rosenbauer

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Auch bei der IF/Academy fokussieren wir nicht so sehr auf die Pixel, sondern auf die Kreativität, die Ideen, das Storytelling, die Selbst-Entwicklung und genießen den Prozess ein Foto zu kreieren. “Die IF/SummerAcademy bietet fernab der üblichen Technikdiskussionen wertvolle Anregungen und Feedback  für alle, die ihre Fähigkeiten weiter entwickeln wollen, sich in Bildern auszudrücken.” So beschreibt Michael von Bergner seine Erfahrungen bei der IF/SummerAcademy.

 

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