Warum Visuelles Denken zu mehr Effizienz führt

Ein Gespräch mit Rüdiger Schrader zu Visuellem Denken

Die Fähigkeit, wirklich hinzuschauen, zu beobachten und wahrzunehmen geht heute verloren, da wir keine Ruhe dafür haben und die visuelle Stimulation einfach überhand nimmt. Dabei brauchen wir diese Fähigkeit. Ob auf der Straße im Alltagskampf, als Manager oder Führungskraft oder als Fotograf. Trainer Rüdiger Schrader will Menschen helfen, ihren Blick auf die Dinge und das Tun zu schärfen.

Rüdiger Schrader bezeichnet sich selbst als visuellen Kommunikator und unorthodoxen Ratgeber. Er vereint eine Bandbreite an Erfahrungen und Wissensbereichen, die es ihm erlaubt, Teilnehmer entsprechend zu führen und anzuleiten. Als Rechtsanwalt, Fotograf, Journalist, Autor und geschäftsführender Redakteur bei dpa, Stern und Focus beherrscht er alle Varianten der verbalen und nonverbalen Kommunikation. Er ist zertifizierter Trainer und Coach für visuelle Kommunikation.

IF/Academy: Was ist gemeint mit Visuell Denken und warum ist es nützlich?

RS: Es geht um den fundamentalen Zusammenhang von von Sehen, Denken und Fühlen. Weitsicht, visuelle Antizipation und dreidimensionaler Blick. Wer in Bildern denkt, pflegt seine Bildsprache, entwickelt so seine Sprachbilder, kann so besser Inhalte vermitteln und dadurch besser führen. Das ist eigentlich eine simple Systematik. Und deshalb so schwer zu praktizieren.

IF/Academy: Gilt das nur für Fotografen oder ist das auch für andere Bereiche hilfreich?

RS: Fotografen führen sich selbst zu besseren Ergebnissen durch diese bewusste Auseinandersetzung mit ihrer Bildsprache. Selbstverständlich verbessert diese Methode und Technik auch die Kommunikation im Business-Alltag, insbesondere dann, wenn Sie Führungspositionen innehaben.

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Rüdiger Schrader gibt seinen Workshop Visuelle Denken – Photo © Heike Rost Photographie

IF/Academy: Sie sagen “Wer verstanden werden will, muss visuell, also auch in Sprachbildern, kommunizieren können.” Warum reicht es nicht auch, mit klaren und treffenden Worten (schriftlich oder mündlich) eine Botschaft zu vermitteln?

RS: Weil auch einfache Botschaften mit klaren oder treffenden Worten viele Worte brauchen. Ein treffendes Sprachbild benötigt nur wenig Worte oder weitere Erläuterungen. Ursula von der Leyen ist eine Mutter von sieben Kindern und als Bundesministerin der Verteidigung in dieser Funktion Inhaberin der Befehlsgewalt über knapp 200.000 Soldaten…es wäre doch schön, sie so fotografisch in Szene zu setzen. Geben Sie doch einmal diesen sachlich richtigen Satz als Auftrag weiter. Da wird es Nachfragen geben, die zu Zeitverlust und Ungenauigkeiten führen. Oder Sie sagen einfach: ein Foto vom Mannequin der Bundeswehr wäre doch schön. Noch Fragen?

IF/Academy: Wie kann die Disziplin “Streetphotography” helfen, visuell zu denken, bewusster wahrzunehmen, besser Situationen zu erkennen?

RS: Wann immer Sie eine Kamera zur Hand nehmen, sollten Sie sich Fotofragen beantworten. Vorher. Gerade zum Beispiel im Bereich der „Streetphotography“ dominiert der Glaube, der Weg entstünde beim Gehen, weshalb sich in dieser Disziplin so viele Fotografen verlaufen, die einfach nur mit der Kamera unterwegs sind. Dabei ist „Streetphotography“ eigentlich die Königsdisziplin, denn sie erfordert eine Beherrschung aller Stilrichtungen der Fotografie, um „auf der Strasse“ reaktionsfähig zu sein – Stillife, Porträt, Action, Reportage, situatives Fotografieren, Architektur, ja, und auch Mode. Peter Lindbergh hat damit in seinem neuen Zyklus experimentiert. Wer bin ich, der Peter Lindbergh zu kritisieren wagt. Aber auch bei ihm deutlich zu erkennen: das muss man trainieren. Vor allem inhaltlich.

IF/Academy: Was hat Sie dazu bewogen, sich so intensiv mit der Thematik Visuelles Denken auseinanderzusetzen?

RS: Das war mein täglich Brot in über 30 Jahren, in denen ich nicht nur als Cheffotograf der dpa, sondern vor allem Director of Photography bei diversen Magazinen verantwortlich gearbeitet habe. Und irgendwann habe ich die notwendige visuelle Antizipation der Auftragserteilung oder –erledigung in die Systematik einer Lehrmethode transferiert. Den Feinschliff habe ich durch Trainerausbildung der BUHR&Team Akademie in Düsseldorf erhalten, deren Trainerpool ich mit Stolz angehöre.

IF/Academy: Was können Teilnehmer der IF/Academy, wenn Sie eine Masterclass „Visuell Denken“ mit Ihnen belegen, erwarten?

RS: Zum Einen biete ich an, die Portfolios, die Fotoarbeiten und die aktuelle Produktion der Teilnehmer checken, zum Anderen biete ich ihnen die Bühne, sich und ihre Fotografie zu diskutieren, zu präsentieren und vor allem weiter zu entwickeln. Auch eine Persönlichkeitsperformance über das Fotografische hinaus ist damit inkludiert und garantiert.

Rüdiger Schrader initiiert, inspiriert, perpetuiert und coacht das visuelle Denken.

Wir danken für das Gespräch Herr Schrader.

(photocredit header-photo ©Ralph Rosenbauer)

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Bei der IF/SummerAcademy 2017 in Südtirol bietet Rüdiger Schrader Workshops zu Visuellem Denken sowie Portfolio Reviews. Hier erfahren Sie mehr >>>

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