Auf das Wesentliche reduzieren. Nicht einfach in einer Zeit der Über-Informationen.

Kann Fotografieren dabei helfen?

Fotografieren lehrt uns den Prozess der Reduktion. Sich auf das Wesentliche beschränken. Sich auf eine essentielle Aussage konzentrieren. Ich muss überlegen, abwägen und mich entscheiden, welchen Ausschnitt ich erfassen möchte, um meine Idee, eine Information oder Charakter einer Person durch ein Foto zu vermitteln. „Fotografie ist für mich unter anderem ein Prozess kontrollierter Subtraktion. Der Fotograf ist letztendlich dafür verantwortlich, was sich innerhalb der Grenzen einer jeden fotografischen Komposition befindet, die er oder sie kreiert“, so der international tätige Fotograf John McDermott.

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Photo © John McDermott

Weniger ist mehr

Gute Werbebotschaften sind auf wenige, aussagekräftige Worte reduziert. Herausragende Texte, Artikel oder Literatur, die uns fesseln und überzeugen, zeichnen sich durch die mit Bedacht gewählten Worte des Autors aus und durch das Fehlen unnötiger Füll-Wörter. „Gutes Design ist so wenig Design, wie möglich.“, so das Credo von Dieter Rams, der die deutsche Design Welt erheblich prägte und für das Produkt Design der Firma Braun verantwortlich war.

“Für mich war immer entscheidend, die Dinge auf das Wesentliche zu reduzieren, um Klarheit zu bekommen.“

Komplexe Zusammenhänge vereinfacht

Komplexe Zusammenhänge benötigen klare Strukturen, um sie zu verstehen. Verstehen beginnt mit Wahrnehmung. Eindrucksvolle Bilder, einfach und klar, reduziert auf das Wesentliche, fördern ein schnelles Verstehen. John McDermott erklärt, dass er als Fotograf jedes Mal eine redaktionelle Entscheidung fällt, was er im Bild belässt und was er nicht integriert. Er schließt visuelle Informationen ein, die entscheidend dafür sind, die Geschichte zu erzählen. Im Bestreben alles auf die einfachste und grafisch sauberste Form im Bild zu reduzieren versucht er, eine möglichst starke und direkte emotionale Wirkung zu erzielen. Antoine de Saint-Exupery sagte einst:

“Perfection is achieved not when there Is nothing more to add, but when there is nothing left to take away”.

Die Kunst der Reduktion hilft uns in der Organisation des Alltags, bei der Erfüllung unserer To-Do Listen (beschränke dich auf die fünf wichtigsten Aufgaben, alle anderen Aufgaben gehen auf die „unbedingt-vermeiden-Liste“, empfiehlt Investment Guru Warren Buffett), in der Kommunikation miteinander, in Verhandlungen gegeneinander und bei der Aufnahme von Nachrichten.

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©Ralf Meichsner

Fotografieren trainiert „zu reduzieren“

Wir fotografieren mittlerweile alles. Die Kamera, oft in Smartphone Format, wird „draufgehalten“ und ohne viel nachzudenken fotografieren wir „mal eben“ einen Ausschnitt der Mahlzeit, der Landschaft oder des Geschehens. Wir könnten aber auch bewusster mit der Auswahl dieser Lebens-Ausschnitte im Bild umgehen und damit trainieren, das Bild auf wesentliche Informationen zu reduzieren. Probieren Sie es das nächste Mal, wenn Sie mal wieder durch den Sucher (oder auf das Kamera Display) schauen: Welche Aussage möchte ich wirklich machen und wie kann ich diese am einfachsten vermitteln? Was fasziniert mich an dieser Szene und warum möchte ich das festhalten? Wie kann ich mich einfacher und präziser ausdrücken, wenn ich den Ausschnitt anders wähle und nur ganz bestimmte Elemente integriere?

Betrachten wir ein Bild mit klaren Strukturen und wenigen Elementen, reduziert auf das Wesentliche, empfinden wir ein Gefühl der Ruhe und Orientierung. Fühlt sich gut an, in einer Welt der Über-Informationen.

“Simplicity is about subtracting the obvious and adding the meaningful.”,

beschreibt der ehemalige President der Rhode Island School of Design, John Maeda, in seinem Buch ”The Laws of Simplicity”.

Photocredit Header photo © Heike Rost Photographie

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