Go Slow to Go Fast. – Werde langsamer und du kreierst mehr.

Photo © Frederik Tammen

Mit Langsamkeit und Geduld werden heutzutage negative Assoziationen ausgelöst. Sich Zeit zu nehmen oder zu Langsamkeit verdammt zu sein durch äußere Umstände ist ein ungeliebter Zustand, empfunden als „verschwendete Zeit“. Jedoch erkennen immer mehr Menschen, Unternehmen und Forscher, dass ein „langsamer“ gerade in Zeiten der Beschleunigung eine Erfolg versprechende Strategie ist.

Wer auf langsamer schaltet, ist ein besserer Zuhörer, Beobachter und Denker.

In Zeiten permanenter Beschleunigung und dem Anspruch, dass alles schneller, höher, kurzfristiger sein soll, sind wir jedoch ständig in Eile und unter Druck. Das führt zu Fehlern und wir verbringen wieder Zeit damit, diese zu bereinigen. Leicht verliert sich in der Eile der Blick auf das Wesentliche und die Fähigkeit zu fokussieren.

Beim Multitasking geht nichts schneller, sondern sogar langsamer. Das Gehirn bearbeitet mehrere Aufgaben seriell, indem es zwischen den Aufgaben hin und her springt – und das verringert die Geschwindigkeit zu denken und Aufgaben zu lösen oder zu Ende zu bringen.

Bewusste Kontrolle einer Situation erfordert volle Aufmerksamkeit. Wenn wir anfangen, uns zu schnell zu bewegen, sehen wir oft nicht, was wir sehen müssen. “Slowing down can spark richer thinking, creating, collaborating, innovating and problem solving,” so Carl Honoré, der eine Vorreiterrolle in der Slow Movement Bewegung einnimmt.

Beim Slow Art Day (in 2018 am 14. April) schauen sich Museumsbesucher in aller Welt Kunstwerke bewusst lange an. Normalerweise beträgt die Durchschnittszeit 20 Sekunden, die ein Museumsbesucher einem Werk gönnt. Der amerikanische Professor Arden Reed geht in seinem Buch „Slow Art“ der Kunst des langsamen Sehens auf den Grund. Dabei geht es darum, was in dem Moment passiert, wenn der Beobachter auf ein (Kunst)Objekt trifft. Das lässt sich nicht nur auf die Betrachtung von Fotografien übertragen sondern auch auf den Akt des Fotografierens: Wie reagiere ich auf die fotografisch interessante Szene? Was empfinde ich? Hat es etwas mit mir oder meiner eigenen Situation zu tun?

Wir fotografieren nicht, um das, was wir sehen entsprechend abzubilden. Wir fotografieren, was wir fühlen, zeigen und ausdrücken möchten“,

erklärt Fotograf, Coach und IF/Academy Referent Rüdiger Schrader.

Setzen wir uns länger mit einem Kunstwerk auseinander sehen wir Details, die wir vorher nicht bemerkt haben. Nehmen wir uns Zeit beim Fotografieren, beobachten wir bewusst die Landschaft, das Straßengeschehen oder einen Menschen und der Fotograf kann Details entdecken, die andere nicht sehen. Und ein mit solcher Aufmerksamkeit kreiertes Bild führt zu interessanten, spannenden Bildern, die den Fotografen zufrieden stellen und einen Betrachter in den Bann ziehen vermag.

Welches Motiv auch immer unsere Aufmerksamkeit zu binden vermag – immer gibt uns die Fotografie die Möglichkeit zur Auseinandersetzung. Zum einen mit dem Gegenüber, aber immer auch in der Reflexion mit sich selbst. Fotografie schult unser Sehen. Sie ermöglicht uns, anders zu sehen – tief und emotional.“,

beschreibt die Fotografin und IF/Academy Referentin Petra Sagnak den Prozess aus ihrer Sicht.

In vielen Lebensbereichen ist der Tenor des Go Slow – und die positiven Auswirkungen werden dich belohnen angekommen. In der Businesswelt, in der Gesundheit, im täglichen Wohlbefinden. Steigerung der Stressresistenz, Kreativität, Gesundheit und Empathie sind Ergebnisse die beobachtet werden.

„In Zeiten der Informationsüberflutung und der beschleunigten Entwicklung neuer Technologien werden vor allem vier Fähigkeiten erfolgsentscheidend: Ruhe bewahren, Fokus setzen, Kreativität pflegen, Emotionale Intelligenz fördern.“ – schreibt Lilian N. Güntsche für das Zukunftsinstitut in Frankfurt.

Klingt das nicht danach, was Fotografen ständig üben und entwickeln? Also, weiter mit dem Fotografieren!

Is a picture made in a single moment? No, it is built up piece-by-piece, just like a house. And the spectator—is his looking done in a single moment?” – Paul Klee

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s