“When you teach, you learn.” Workshop Teilnehmer fordern und fördern – beim Karneval in Venedig.

You bought yourself four days of freedom. You can photograph whatever you want and you have to fail. The more the better. Because that’s how you will learn. So, try to take risks!“ Mit diesen Worten empfing Fotograf und Referent John McDermott die Teilnehmer der Venedig Photography Masterclass. Scheitern ist der beste Weg zu lernen. Und der Referent ist während der ganzen Zeit da, um die Teilnehmer auf ihrer Lern-Reise zu begleiten. Die Aufgabenstellung für die Workshop Tage: eine persönliche Vision Venedigs während der Karnevalszeit produzieren. Unterstützt, begleitet und mit Feedback und Input durch den Referenten.

Venedig zur Karnevalszeit: Bühne und Kulisse des IF/Academy Masterclass Workshops. Wie die Ruhe vor dem Sturm waren die Tage vor dem Karnevals-Höhepunkt erstaunlich ruhig, bevor die Maskierten wie eine Riesenwelle jede Gasse füllten. Eine Stadt, die im Wasser zu schwimmen scheint, in der jedes Gebäude eine Geschichte erzählt und wo ihre Einheimischen (die wenigen, die es noch gibt) mit Stolz und Wohlwollen von ihrer Serenissima sprechen. Die Serenissima Republicca di San Marco bedeutet die „Durchlauchtigste Republik des Heiligen Markus“, oder kurz: die Republik Venedig.

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Photo © John McDermott | Venedig 2018

Präsent sein im Moment

Bilder entstehen im Kopf und in der Kamera und nicht am Bildschirm hinterher, vermittelt John McDermott den Teilnehmern. Macht das Bild, das eurer Vorstellung entspricht, wenn ihr auf den Auslöser drückt. Bequemlichkeit, reduzierte Aufmerksamkeit und nachlässiges Arbeiten verführen zu dem Gedanken, dass ich es hinterher am Computer noch retten und verbessern kann. Das sind Ausflüchte, im Moment des Fotografierens nicht wirklich präsent zu sein, sich nicht genügend zu konzentrieren und nicht bewusst zu arbeiten.

Früh morgens um halb sieben mit den Fischverkäufern auf dem Rialto Fischmarkt ins Gespräch kommen und fragen, ob ein Porträt oder Gruppenbild möglich ist hilft, andere Motive und Perspektiven zu gestalten als die gewöhnlichen Bilder im Vorbeilaufen. Ansprechen, eine Verbindung aufbauen, nachhaken, geben und nehmen sind Elemente, die Teilnehmer in ihr Repertoire aufnehmen. Wochen im voraus haben wir mit einer Fischhändler Familie gesprochen, Bilder gemacht, ihnen die Bilder geschickt. Als wir mit den Teilnehmern kamen, hatten sie Spaß daran, für unsere Fotografengruppe zu posieren. Die Vorbereitungen der Fischhändler zu beobachten und fotografisch zu erfassen, wie sie ihre Auslagen vorbereiten stellt eine weitere Herausforderung: unter nicht idealen Bedingungen trotzdem Ideen und Lösungen finden. Wie im richtigen Leben.

 

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Photo © Claudia Brose | Fischmarkt Venedig 2018

Geduld zahlt sich aus

Manchmal siehst du eine Szene und malst dir im Kopf aus, wie die Situation eigentlich noch viel besser sein könnte. Dann warte. Manchmal müssen wir nicht sofort reagieren sondern es ist besser, Geduld zu haben. Oft sind es auch die Akteure, die dein Bild kreieren. Sie „geben“ es dir geradezu, wenn du da bist, wenn du bereit und vorbereitet bist, das „Geschenk“ entgegen zu nehmen.

Be ready, be aware, be perceptive, know what might happen and be ready to take it“,

so John McDermott zu den Teilnehmern.

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Photo © John McDermott | Venedig 2018

Wenn du dich darin übst, immer aufmerksam zu sein, dein Umfeld bewusst wahrzunehmen und zu beobachten dann passiert etwas: es bieten sich dir Gelegenheiten, die du nutzen, verwerten oder vermeiden kannst. Die Aufmerksamkeit hilft dir letztendlich, bessere Ergebnisse zu produzieren. In der Fotografie und im Leben.

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Photo © Simon Terzer | Venedig Masterclass 2018

Kommunikation. Auch wenn es schwierig ist.

Kommunikationsbarrieren zu überwinden ist nicht einfach. Sich die Zeit und den Mut zu nehmen, sie zu überwinden verändert oft eine Situation zum Positiven. Beim Venezianischen Karneval sehen wir uns mit Masken, Sprache und Zeit als Kommunikationsbarrieren konfrontiert. Für die Maskenträger ist es nicht einfach, durch die Maske zu sprechen. Welche Landessprache verbirgt sich hinter der Maske? Ständig werden die Maskierten fotografiert, so dass kaum Zeit besteht, sie anzusprechen. Automatisch entsteht eine Distanz.

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Die Maskierten Thierry und Carmela kommen seit vielen Jahren aus Belgien zum Karneval nach Venedig, jedes Jahr in neuen, kreativen Kostümen. Sie stecken viel Zeit und Geld in ihre Leidenschaft, den Venezianischen Karneval zu „leben“. Wir sind auf sie zugegangen und haben ein längeres Gespräch initiiert. Das resultierte in einer Fotosession in einem ruhigen Innenhof, abgeschirmt von schaulustigen Smartphone Fotografen. Unsere Masterclass’ler konnten das Pärchen porträtieren und mit ihnen interagieren. Sie kollaborierten mit den Teilnehmern, eine kleine fotografische Geschichte zu erstellen. Fotografieren kann ein spannendes Werkzeug sein, mit seinen Kommunikationsfähigkeiten zu spielen und zu lernen, fremde Menschen anzusprechen und sie ins rechte Licht zu rücken.

 

Karnevalsdarsteller Le MarKi, der jedes Jahr mit vielen leidenschaftlichen Anhängern des Venezianischen Karnevals seine Zeit im berühmten Caffé Florian am Markusplatz verbringt, stand uns für eine kurze Porträtsession zur Verfügung. Noch vor den Karnevalstagen hatten wir ihn kontaktiert und während der Masterclass konnten die Teilnehmer ihre fotografischen Ideen mit Le MarKi umsetzen.

 

In die Tiefe gehen. Blick hinter die Kulissen.

Den Teilnehmern besondere Einblicke bieten. Woher kommen die Masken? Wie werden sie hergestellt? Wie steht es um das Handwerk der traditionellen Maskenkünstler? Im Masken Atelier Kartaruga arrangierten wir einen Blick hinter die Masken des Karnevals. Vater Franco verfolgt seit Mitte der 80er Jahre das Masken Handwerk mit viel Leidenschaft. Sein Atelier, geführt von seiner Tochter Francesca, ist Anlaufsteller vieler Film- und Theaterproduktionen (sie erstellten die Masken für die Filme Eyes Wide Shut und Casanova). Franco demonstrierte unseren Fotografen die Herstellung einer Maske und erklärte die Maskentradition. Referent John übersetzte aus dem Italienischen ins Englische und die Teilnehmer kreierten eine kleine Fotostory.

 

“When you teach, you learn.” – Helen Suzman

Wir lernen von unseren Teilnehmern, genauso wie sie von unseren Referenten lernen. Austausch, Gespräche, Feedback und Rückblick bei gemeinsamen Abendessen in kleinen, von Venezianern geführten Restaurants schlossen die Abende ab bevor die Teilnehmer morgens um sechs Uhr dreißig wieder die Kamera in die Hand nahmen. Zwischenzeitige, individuelle Bildbesprechungen am Computer mit ausgewählten Bildern gaben der fotografischen Entwicklung jedes Teilnehmers Impulse, Korrekturen und Orientierung. Und aus den Fragen, Bildergebnisse, Vorgehensweisen und dem Enthusiasmus der Teilnehmer haben wir auch viel gelernt. Geben und Nehmen.

When you teach, you learn.” (Helen Suzman DBE).

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Photo © Stephan Russenschuck | Venedig Masterclass 2018

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