Street Photography – eine Lebensschule

Photocredit © John McDermott

Oft sind es die außerberuflichen Aktivitäten, die uns die Lehren für Alltag und Job liefern. Wie oft haben wir gehört, oder selber erfahren, dass der Sport, den wir mit Enthusiasmus verfolgen, uns Einsichten und wertvolle Erfahrungen für das Leben gibt? Wie oft lesen wir von Führungspersönlichkeiten, dass sie Lösungen, Ideen und Ermutigungen in Büchern fanden, die nichts direkt mit ihrer Industrie gemein haben? Genauso ist es mit Street Photography. Schauen wir uns das einmal näher an.

Warum Street Photography?

Warum fremde Menschen auf der Straße, im Stadtleben fotografieren? Diese Aktivität bringt immerhin Risiken mit sich. Das Risiko, unbequeme Situationen zu konfrontieren und sich unangenehmen Ablehnungen auszusetzen.

Bei Street Photography passiert etwas mit dir. Du bekommst ein dickes Fell, verfeinerst deinen Umgang mit Menschen und baust ein Selbstvertrauen auf, das dir auch im Berufs- und Privatleben hilft. Du versuchst, deine innere Angstschwelle zu überwinden. Aber das Gefühl, ein erfolgreiches Foto erfasst zu haben und ein Ergebnis sofort sichtbar in den Händen zu halten, ist befreiend und lässt das Angstgefühl erblassen. Und es ermutigt dazu, immer wieder zu versuchen auf Menschen zuzugehen oder eine faszinierende oder seltsame Situation, die wir beobachten, festzuhalten.

Umgang mit Ablehnung

Wie oft werden unsere Anfragen, Wünsche oder Ideen abgelehnt? Natürlich gibt es auch Menschen auf der Straße, die wir um ein kurzes Portrait bitten, die aber ablehnen. Wenn ich gerne eine interessante Person fotografieren möchte und das schlimmste was passieren kann ist, sich bei dieser Person ein „Nein“ einzuholen – dann ist das nicht wirklich ein Drama. Loslassen und weitermachen. Wie viele Personen stehen dem gegenüber, die einer Aufnahme zugestimmt haben – wenn ich mich nur getraut habe, zu fragen? Sehr viele.

Gefühl für Situationen

Wir sehen eine Situation, einen Moment, eine Szene und haben den Drang, sie fotografisch festzuhalten. Das heißt auch, genau hinschauen, beobachten, ein Gefühl für die Situation bekommen, um zum Beispiel keine Probleme durch die Präsenz mit der Kamera zu verursachen, Aktivitäten zu unterbrechen oder Arbeitern bei ihrer Tätigkeit nicht in die Quere zu kommen. Wenn du in der Lage bist Menschen für einen Moment zu beobachten, ihre Körpersprache zu deuten und zu erkennen, ob sie sich in einer entspannten Situation befinden, dann ist der erste Schritt zur Kontaktaufnahme geschaffen. Unser Gesichtsausdruck, ein Lächeln mit dem wir uns nähern und wie wir uns geben, können Eisbrecher sein.

Das ist auch nicht anders bei Geschäftsgesprächen oder Netzwerken, bei denen wir uns allerdings oft durch den Business Kontext, in der sich alle Beteiligten befinden, etwas sicherer fühlen. Mit der Kamera in der Hand ist das „lesen“ komplett fremder Menschen, sich ihnen zu nähern und sie anzusprechen sowohl eine Chance also auch eine wirkliche Herausforderung. Und somit ein gutes „Training“, das auch noch Spaß macht.

Begegnungen und Geschichten

Eine Bereicherung im Leben sind Begegnungen und Geschichten von Menschen. Einen Menschen auf der Straße zu fotografieren kann eine ganz kurze Begegnung sein, manchmal auch ohne Worte. Oft beinhalten diese Begegnungen zumindest ein kleines Gespräch und manchmal sogar eine etwas längere Unterhaltung. Ein Einblick in das Leben eines Fremden, eine Geschichte, eine Inspiration vielleicht. Mit der Kamera in der Hand haben wir die Chance und „Ausrede“, Situationen und Menschen auf der Straße zu beobachten und unser Umfeld bewusst wahrzunehmen. Meistens bewegen wir uns zu schnell, gleichgültig und blind durch die Straßen einer Stadt, da wir ständig zu „busy“ sind.

Street Photography bietet die Möglichkeit, an sich selbst zu arbeiten. Bewusstes beobachten, Menschen deuten, Unbekannte ansprechen, „Nein“ akzeptieren und Geschichten und Fotos (Portraits) als Belohnung für die Auseinandersetzung mit sich selbst. Das kann es wert sein.


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Die nächste Street Photography Masterclass findet vom 9.-13. Main in Neapel statt mit dem amerikanischen und fließend Italienisch sprechenden Top Fotografen John McDermott. Infos hier >>>

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