7 Gründe, warum Street Photography wie ein Lebenspartner ist

Photo © John McDermott in Neapel 2017

Was ist Street Photography und warum brauchen wir sie? Es gibt heute keine einfache Beschreibung mehr, da sich diese Disziplin über Zeit in verschiedene Richtungen entwickelt hat und die Meinungen auseinander gehen. Wichtig ist einfach, dass viele enthusiastische Fotografen in den Straßen, Städten und Orten dieser Welt das Bedürfnis haben, die Menschheit und Gesellschaft um uns herum fotografisch zu entdecken und festzuhalten. Dass ein Interesse für andere Menschen, das Leben an sich, das „andere“ und das „gemeinsame“ besteht. Dass wir neugierig sind. Wir beobachten das Leben und möchten die Menschen, die Umstände, das Leben verstehen. Und wir möchten uns selbst verstehen. Idealerweise haben wir einen Partner, mit dem wir entdecken, der uns anstupst und weiterleitet.

Dein Spielplatz – eine pulsierende Stadt

Eine lebendige, pulsierende, verrückte Stadt ist wie eine große Leinwand, die mit bunten Farben und unendlichen Szenen bemalt ist. „Selbst mit verbundenen Augen könnten wir gute Bilder machen“, findet Sir Don McCullin.

Und wenn wir uns darauf konzentrieren, nicht einfach Menschen zu fotografieren, sondern ihre Aktionen und das Leben, was die Menschen transportieren, kreieren wir Bilder, die bewegen, die erzählen. Und Leben stellen wir dar, indem wir zeigen, was es macht. Was macht das Leben mit dem Menschen, dem Arbeiter auf der Straße, dem Hund an der Kette, der Kleidung an der Person, dem Blick, der Zeit an Gebäuden, der Sonne auf einem Gesicht?

Dein Anker – die Aufmerksamkeit

Aufmerksam sein heißt beobachten, aufpassen. Das hilft uns, eine Vielfalt und Tiefe zu erleben und Dinge zu sehen, die wir vorher nicht bemerkt haben. Gehen wir bewusster an Sachen heran, dann öffnen sich neue Welten, wir erkennen Zusammenhänge. Das ist der Moment wo es spannend wird, denn dann eröffnen wir tausend neue Möglichkeiten und die Idee oder das Foto bekommt eine neue Dimension. Die Kamera und der „Fotografenblick“ wird zum Anker, zum treuen Begleiter und zur Erinnerung, seine Aufmerksamkeit immer wieder auf die Probe zu stellen.

Deine Verbindung – das Gemeinsame mit Fremden

Eine Bereicherung im Leben sind Begegnungen und Geschichten von Menschen. Einen Menschen auf der Straße zu fotografieren kann eine ganz kurze Begegnung sein, manchmal auch ohne Worte. Oft beinhalten diese Begegnungen zumindest ein kleines Gespräch und manchmal sogar eine etwas längere Unterhaltung. Ein Einblick in das Leben eines Fremden, eine Geschichte, eine Inspiration vielleicht.

Das Verständnis für Menschen und die Offenheit gegenüber Fremden wächst, wenn wir es schaffen, über den eigenen Schatten zu springen und uns für das Unbekannte öffnen. Durch das Fotografieren entsteht eine kurze, positive Verbindung. (Es sei denn, man trifft auf jemanden, der negativ auf uns und unsere Kamera reagiert. Das sind die Ablehnungen, an denen wir uns überall im Leben reiben.) Seine eigene Hemmschwelle überwinden, mit komplett fremden Menschen ins Gespräch kommen und einen gemeinsamen Faden finden ist ein Training für alle Lebenslagen. Die Kamera kann dabei wie eine Friedens-Waffe dienen.

Dein Freund – das Fremde

Das unangenehme Gefühl, etwas zu sehen, etwas zu machen, was ich nicht sehen oder machen sollte, spielt immer mit bei Street Photography. Wie kann ich diesen einen Moment aufsaugen, der eigentlich die Privatsphäre eines fremden Menschen ist? Trete ich ihnen zu nahe, auch wenn ich weit entfernt stehe, wenn ich “ihren” Moment mit der Kamera festhalte? Joel Meyerowitz beschreibt es so: “Du musst dir sozusagen “Partner” auf der Straße suchen, Menschen, die eigentlich nicht wissen, dass du sie fotografierst. Du bewegst dich für einen Moment in ihr Leben und dann gleich wieder heraus, während du ihren Lebensmoment nutzt für ein Bild, das für dich ist.”

Deine Selbstzweifel – der Auslöser

“Wenn du auf den Auslöser der Kamera drückst, dann ist das nicht einfach ein Knopf, den du drückst. Du gehst tiefer in deine Psychologie hinein, berührst deine Selbstzweifel über dein Umfeld, das Subjekt, die Regeln und unbekannte Faktoren.” So beschreibt Sir Don McCullin den Vorgang des Fotografierens in den Straßen. Der britische Fotojournalist ist weltweit bekannt für seine Kriegsfotografie und Street Photography,

Auf der anderen Seite hilft das „unendliche“ Laufen durch eine Stadt, das sich treiben lassen und Beobachten, seinen Stresslevel zu reduzieren. Runter zu kommen. Die Selbstzweifel überwinden, indem wir immer wieder die Kamera hochheben und auf den Auslöser drücken. Der kreativen Seele freien Lauf lassen und nicht den Regeln folgen, was gerade bei der Street Photography wunderbar funktioniert.

Dein Impuls – deine Chance

“Wenn sich mir etwas offenbart, mir einen Impuls gibt, dann hebe ich die Kamera und drücke auf den Auslöser. Ohne zu zögern, ohne nachzudenken”, beschreibt der bekannte Fotograf Joel Meyerowitz seine Street Photography. “Das ist Fotografie. Den Bruchteil eines Momentes festhalten.” Jeder Moment im Leben, jeder Augenblick auf der Welt existiert genau ein Mal. Die Fotografie bietet uns die Chance, Momente für die Zukunft festzuhalten. Für uns selbst, für andere, für die Nachwelt.

Wann weiß ich, dass ich ein Foto machen möchte oder soll? Aufmerksam die Straßen entlanggehen, bewusst hinschauen und beobachten. Eine Gabe, die uns heute fast verloren gegangen ist. Bei achtsamer Street Photography erleben und sehen wir Lebensmomente, sehen wir “Bilder”, die wir beobachten, vielleicht analysieren, aus denen wir lernen. Daraus lernen wir „vorauszusehen“, die Entfaltung von Situationen zu erkennen, bevor sie geschehen. Dann sind wir bereit mit der Kamera, den entscheidenden Moment festzuhalten. So üben wir auch, gefährliche Situationen früh genug zu erkennen, ob im Straßenleben oder bei der Arbeit.

Dein Seelenheil – Street Photography

„Ich dachte, alle Formen der Fotografie sind gut für die Seele. Je mehr ich darüber nachdenke stelle ich fest, dass eigentlich insbesondere die Street Photography eine sehr demokratische, offene und Seelenheil bringende Art der Fotografie ist“, beschreibt Eric Kim, hervorragender Street Photographer aus jüngster Zeit. Mit Street Photography bewegen wir uns frei durch Orte und Städte, gehen auf Entdeckungsreise, interagieren mit fremden Menschen und sind nicht abhängig von Modellen oder Technik.

Elliott Erwitt, der amerikanische Werbe- und Dokumentarfotograf, bekannt für seine Schwarz-Weiß Fotografie ikonischer und absurder Situationen des täglichen Lebens, sagt: “To me, photography is an art of observation. It’s about finding something interesting in an ordinary place…I’ve found it has little to do with the things you see and everything to do with the way you see them.”


Wer sich der Street Photography Herausforderung stellen möchte, der kann sich bei der IF/Academy melden für die Masterclass Street Photography in Neapel vom 9.-13. Mai mit Top Fotograf John McDermott.

Infos unter: www.if-academy.net/napoli-2018

Ihnen hat der Blog Artikel gefallen?

Dann tragen Sie sich in den Newsletter der IF/Academy ein: Sie bekommen dann per Mail Inspirationen und Impulse zur Verbesserung der Wahrnehmung sowie zu Fotografie Veranstaltungen der IF/Academy. >>> Newsletter Anmeldung

Claudia Brose ist Co-Founder und Inhaber der IF/Academy InspirationFotografie.
Sie beschäftigt sich mit dem Thema: Welchen Einfluss hat das Fotografieren auf uns und wie können wir unsere Wahrnehmung schärfen?

 

 

Advertisements

3 thoughts on “7 Gründe, warum Street Photography wie ein Lebenspartner ist

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s