Kann Fotografieren krank machen? Kann Perspektivenwechsel die Seele retten?

Text Claudia Brose
Photo © Claudia Brose

Manchmal kann uns eine neue Sichtweise retten. Sie kann uns neue Potenziale eröffnen und gleichzeitig auch anderen Menschen helfen, eine veränderte Sichtweise auf Dinge zu erhalten.

Weltweit bekannter Fotojournalist und Dokumentar Fotograf Sebastião Salgado änderte drastisch seine Wahrnehmung, wie er die Welt sieht und fotografiert.

Über vierzig Jahre fotografierte er soziale Brennpunkte und dokumentierte das von Menschenhand kreierte Leiden in vielen Ländern der Erde. Salgado, Jahrgang 1944, ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler und wechselte mit dreißig in die Fotografie, die ihn seitdem nicht mehr losgelassen hat. Er ist besessen davon, seine Kamera in der Hand zu halten und Bilder festzuhalten. Über 120 Länder hat er bereist, um in jahrelangen Projekten das Leben jener Menschen festzuhalten, die dem täglichen Überlebenskampf ausgesetzt sind. Seine Bilder spiegeln seine Besessenheit und tiefe Hingabe zu dieser Thematik wider.

Dann kam der Bruch. Salgado wurde krank. Sieben Jahre das menschliche Leid von Migranten aus Afrika, Asien und Südamerika zu fotografieren, die vor ethnischen und religiösen Konflikten flohen, ließen ihn an der Menschheit zweifeln. Und die Seele machte nicht mehr mit. Der Arzt riet ihm, mit der Fotografie aufzuhören. Salgado ohne Kamera, ohne Fotografieren? „It is the desire to photograph that always drives me to leave again, to go and look elsewhere. Constantly to be taking more new images.“ So schreibt Salgado in „From my Land to the Planet“.

Lösung durch Veränderung der Sichtweise

Eine neue Idee und Lösung entstand aus einer Veränderung von Salgados Sichtweise.

Er machte eine 180 Grad Wendung und entschloss sich, bewusst die Schönheit der Erde wahrzunehmen, die Natur, Tiere und Schöpfung, die uns noch auf diesem Planeten erhalten sind. Er richtete mit seinem über acht Jahre andauernden Projekt Genesis seine Kamera, sein Auge, auf die letzten, unversehrten Plätze unseres Planeten. Und es half ihm, seinen Glauben an die Menschheit zurückzugewinnen. Das Ergebnis sind atemberaubende Bilder, typisch Salgado, in schwarz-weiß.

Mit fast siebzig hat Salgado das Projekt Genesis abgeschlossen. Es hat ihn körperlich gefordert aber seine Seele regeneriert. „To summarize it all, I would say that the mind was blessed and the body punished. After eight years, I was tired, but regenerated inside“.

In unser Gegenüber hineinversetzen

Manchmal kann uns eine neue Sichtweise retten. Sie kann uns neue Wege aufzeigen und gleichzeitig auch anderen Menschen helfen, einen veränderten Blick auf Dinge zu erhalten. Sebastião Salgado hat es für sich geschafft, er hat seine Gesundheit, seine Seele „gesund fotografiert“. Er hat mit seinen Bildern aber auch uns eine hoffnungsvollere Perspektive auf unseren Planeten gegeben. Seine Bilder des Projekts Genesis treffen direkt in unser Herz und unsere Seele.

Unser Sehen ändert sich, unsere Einstellung ändert sich, unsere Wahrnehmung ändert sich. Das kann jederzeit passieren, das kann jederzeit initiiert werden. Wir können jederzeit daran arbeiten. Wie ein Unternehmen seine Strategie oder Ausrichtung sieht, kann verändert werden. Wie wir Kollegen, Mitarbeiter, Familie oder Freunde wahrnehmen, können wir ändern und damit ganz neue Potenziale freilegen. Ändern wir unseren Blickwinkel, dann können wir uns in unser Gegenüber hineinversetzen. Eine hilfreiche Methode, wenn wir Verhandlungspartner, Kunden oder unsere Kinder besser verstehen möchten. Oder in der Fotografie, wenn wir neu oder anders sehen und die Welt in einer anderen Dimension zeigen möchten.
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Link zu Gespräch zwischen Benedikt Taschen und Sebastião Salgado zum Projekt GENESIS

Link zu Sebastião Salgados Film Salz der Erde

Link zu einem TED Talk von Sebastião Salgado über die Fotografie “The Silent Drama of Photography”

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Claudia Brose ist Co-Founder und Inhaber der IF/Academy InspirationFotografie.

Sie beschäftigt sich mit dem Thema: Wie können wir unsere Aufmerksamkeit und bewusste Wahrnehmung trainieren?

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