Warum der Input wichtiger ist als der Output

Text Claudia Brose
Photo © Claudia Brose

Wie viele von uns sind auf den Output der Dinge, die wir machen fokussiert? Welche Menschen bewundern wir oft für ihr kreatives Talent, für ihre sportliche Leistung, für das Produkt oder die herausragenden Fotos, die sie produzieren? Was stellen wir bei diesen Menschen fest, wie sie mit Input und Output umgehen?

Diese Menschen beherrschen die „Technik“ ihrer Aktivität, ihrer Tätigkeit, aber das tritt in den Hintergrund. Was sie von anderen in ihren Bereichen unterscheidet ist, dass sie ein klares Bewusstsein für sich selbst und für ihr Umfeld haben. Die Art, wie sie ihre Fotografie, ihre Kunst, ihr Business, ihren Sport ausführen zeigt, dass sie sich bewusst mit sich selbst und ihrer Welt auseinandergesetzt haben – und das fließt in ihr Werk oder Aktivität ein. Der Fotograf Sebastião Salgado, selbst ausgebildet in Wirtschaftswissenschaften, antwortete auf die Frage, was er jungen angehenden Fotografen raten würde, dass sie zunächst Wirtschaft oder Politik oder Geografie oder Literaturwissenschaften studieren sollten, um überhaupt zu verstehen, was sie (später) fotografieren.

Professionelle Beobachter

Alle großen Fotografen, egal auf was sie spezialisiert sind, haben gemein, dass sie hervorragende Beobachter sind. Sie können „sehen“, sind „professionelle Beobachter“, die eine Situation einschätzen und dann überlegen, wie sie diese fotografisch erfassen und darstellen. Das erfordert ein Bewusstsein für Situationen, Lebenslagen und sich selbst. Der einflussreiche Modefotograf Peter Lindbergh berichtet, dass er mit Anfang zwanzig Transzendentale Meditation begann und für lange Zeit praktizierte. Dies hat ihm geholfen, zu sich selbst zu finden, sagt er. “Meditation is a real simple instrument. It’s meant to bring you to yourself. It’s as easy as that.” Wie finden wir eine Verbindung zwischen dem was am Ende als Bildergebnis erscheint und dem, was bei uns selbst passiert? Wo bin ich in meinen Bildern?

Fotografen können heute auf so viele Genres spezialisiert sein. Warum ihre Arbeit allerdings herausragt ist ihre Fähigkeit, zu sehen und wie sie ihre persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse in die Bilder einbringen.

Ein Fotograf ist jemand, der zwanzig, dreißig Jahre mit einer Haltung durchs Leben geht, die sich in seinem Werk, in seiner Arbeit widerspiegelt! Ansonsten ist man bloß ein Bildermacher“, behauptet der Fotograf Peter Lindbergh.

Bewusste Wahrnehmung

Authentisch zu sehen und zu fotografieren bedeutet, seine eigene, einzigartige Wahrnehmung zu verstehen und in der Lage zu sein, diese mit Hilfe der Kamera und ihrer Technik zu verbinden und umzusetzen. Alles was du machst, gelernt hast, Bücher, die du gelesen hast, Musik, die du hörst, Kunst und andere Bilder, die du betrachtest, alles was du bewusst wahrnimmst und reflektierst fließt in die Kreation deines Fotos ein.

Wenn der Output ein Foto ist – was ist das Foto? Eine Oberfläche, die für sich genommen nichts erklären kann. Susan Sontag beschreibt dies in ihrem Buch On Photography wie folgt: als Betrachter hast du mit dem Foto eine Oberfläche und nun denk beziehungsweise fühl bitte einmal intuitiv, was hinter der bildlichen Darstellung steht. Wie mag die Realität wohl aussehen, wenn das Bild so aussieht? Fotos bieten uns unerschöpfliche Möglichkeiten, Schlussfolgerungen zu ziehen, Spekulationen zu konstruieren und die Fantasie walten zu lassen. Was wir sehen, ist das, was der Fotograf gefühlt, interpretiert, ausgeschnitten und in diesem Moment erlebt hat. Er hat in diesem Moment die Entscheidung getroffen, auf den Auslöser zu drücken.

Entscheidung und Ergebnis

Der Unternehmer und Autor Rolf Dobelli schreibt: „Beurteilen Sie nie eine Entscheidung nur aufgrund des Ergebnisses. Ein schlechtes Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass die Entscheidung schlecht getroffen wurde – und umgekehrt.“ Stattdessen, so rät er, sollten wir uns lieber vor Augen führen, warum wir so entschieden haben. Und ob das Ergebnis falsch oder erfolgreich war ist egal, solange die Entscheidung vernünftig und nachvollziehbar war, „dann tun Sie gut daran, nächstes Mal wieder so zu handeln. Selbst wenn Sie letztes Mal Pech gehabt haben.

Mach dir weniger Gedanken (bei der Fotografie oder anderen Aktivitäten) über das Ergebnis, sondern besinne dich mehr auf den Prozess und mach dir bewusst, was in das Endprodukt oder das Bild einfließt.

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Quellen:

  • Rolf Dobelli “Die Kunst des klaren Denkens”
  • Peter Lindbergh “A Different Vision on Fashion Photography”
  • Susan Sontag “On Photography”

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Claudia Brose ist Co-Founder und Inhaber der IF/Academy InspirationFotografie.

Sie beschäftigt sich mit dem Thema: Wie können wir unsere Aufmerksamkeit und bewusste Wahrnehmung trainieren?

 

 

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