Warum wir unsere Lieben fotografieren sollten

Kommt dir die Situation bekannt vor, dass die Frau des Arztes bei gesundheitlichen Fragen zuletzt behandelt wird, da alle Patienten zunächst Vorrang haben? Oder dass der Sohn der Rechtsanwältin lange auf Antworten zu rechtlichen Fragen warten muss, da die Klienten zuerst dran kommen? Gibt es nicht ähnliche Szenarien bei Fotografen? Der Profi oder leidenschaftliche Amateur Fotograf vergisst oft Fotos seiner Lieben zu machen oder es wird immer wieder aufgeschoben? Falls dir dieses Phänomen nicht fremd ist, dann machen wir uns für einen kurzen Moment bewusst, warum es so wertvoll ist, seine Lieben zu fotografieren.

Wertschätzung der Person

Fotografieren wir Menschen, die uns viel bedeuten, zeigen wir durch das Fotografieren unsere Wertschätzung dieser Person gegenüber. Kennst du das Gefühl, du siehst etwas, was dir gefällt, was du schön findest, was eine positive Emotion auslöst und du möchtest es mit der Kamera festhalten? Wir sind von Menschen umgeben, die wir schätzen, mögen und lieben, aber wie oft nehmen wir dann die Kamera zur Hand, um dieser Wertschätzung durch ein Foto Ausdruck zu verleihen? Denken wir aber daran und halten die Person fotografisch fest, ist dies ein kurzer Augenblick, in dem wir uns unserer Gefühle gegenüber dieser Person besonders bewusst werden.

Keine Schnappschuss Erinnerung

Ein einfacher Grund, die lieben Menschen in unserem Leben zu fotografieren, ist schöne Erinnerungsbilder zu haben, wenn sie eines Tages nicht mehr unter uns sind. Und das sollten wir nicht unterschätzen. Mit diesen Gedanken beschäftigt sich keiner gerne, daher machen wir keine Fotos mit diesem Bewusstsein im Hinterkopf. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass ich immens dankbar bin, dass mein Mann (Fotograf) regelmäßig wunderbare Bilder von meiner Mutter gemacht hat. Somit habe ich nicht nur ein schönes „aktuelles“ Bild von ihr, das knapp vier Wochen vor ihrem Versterben entstanden ist, sondern eine ganze Schatztruhe voller „guter“ Erinnerungsfotos von ihr, die über die Jahre entstanden sind, die ich sicher nicht missen möchte. Oft habe ich in meinem Umfeld beobachtet, dass jemand der „älteren Generation“ stirbt und nach einem guten Foto, oder überhaupt irgendeinem existierenden Foto der Person, gesucht wurde. Leider zu spät wurde man sich bewusst, dass es leider kaum schöne Erinnerungsfotos gibt. Wie schade.

Unsere Geschichte

Wir alle haben sie in unseren Fotoalben oder Fotokisten: die Fotos aus Kindertagen, von Familienfeiern, Ausflügen und Urlauben. Wie oft ist dir schon passiert, dass du auf den Bildern Personen siehst, die kaum erkennbar sind (Stichwort: schlechte Schnappschüsse), weil sie von hinten fotografiert sind oder halb verdeckt hinterm Sonnenschirm stehen? Die wenige gute Ausbeute an Bildern schätzen wir hingegen sehr und wünschen uns oft, dass wir „mehr gute“ Bilder unserer Familie und Nächsten hätten. Die Bilder, insbesondere wenn Personen abgebildet sind, sind Dokumente der Vergangenheit und Gegenwart und erzählen Historie. Es sind wertvolle Momente, die Lebensstationen von dir nahestehenden Personen festzuhalten. Dann freut es umso mehr, wenn bestimmte Personen auf den Bildern mehr als nur nett erkennbar, sondern sogar noch richtig gut getroffen sind. Wir können viel öfters daran denken, unsere Partner, Familie und Freunde für uns, für sie und für die Nachkommen in bewusst gut gestalteten Fotos festzuhalten. Das befriedigt das Fotografenherz, erfreut die Fotografierten und die Nachkommen sind dankbar für ein Stück bewusst schön gestalteter Geschichte.

Dankbares Motiv

Wie oft passiert es, dass wir keine Idee haben, was wir fotografieren könnten? Oder wir haben die Idee, Menschen zu fotografieren und möchten Portraitfotografie üben? Wenn wir keine Idee haben, denken wir manchmal nicht an das Naheliegende, Menschen in unserem nächsten Umfeld zu fotografieren. Haben wir bereits die Idee im Kopf Portraits zu üben, dann sind unsere lieben Menschen immer ein dankbares Motiv. Und, so können wir es ja offen sagen, sie bieten sich hervorragend an als gute Versuchs-Subjekte. Wer sonst stellt sich freiwillig und bereitwillig zur Verfügung als Subjekt unseres fotografischen Ehrgeizes? Und dieser Person kann sich wahrscheinlich über „tolle Fotos“ von sich erfreuen. Ein weiterer Grund also, unsere Lieben in unsere Fotografie zu integrieren.

Es gibt viele gute Gründe, warum wir unsere Lieben fotografieren sollten. Zwei typische leidige Angewohnheiten stehen uns oft im Weg: Zum einen denken wir oft nicht an das Naheliegende. Zum anderen verschieben wir auf später, was uns nicht sofort dringend erscheint und der Nutzen erst weit in der Zukunft liegt. Fotografien unserer Lieben sind etwas wertvolles, das ohne viel Aufwand erstellt werden kann. Wir können diese Chance, einen Wert zu schaffen, viel öfter nutzen.

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Claudia Brose ist Co-Founder und Inhaber der IF/Academy InspirationFotografie. http://www.if-academy.net

Sie beschäftigt sich mit dem Thema: Wie können wir unsere Aufmerksamkeit und bewusste Wahrnehmung in einer Welt der Überforderung und Reizüberflutung trainieren?

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