Ändere Dein Sehen und Lösungen offenbaren sich

Text Claudia Brose |

Ändere die Art, wie du Dinge siehst und die Dinge, die du betrachtest, ändern sich.

Bevor wir ein Projekt umsetzen oder eine Lösung für eine Aufgabe finden analysieren wir die Situation. Ob bei Arbeitsprojekten, persönlichen Aufgaben, oder bei Geschäftsideen. Genauso ist es (eigentlich) in der Fotografie. Wir definieren zunächst unser Ziel, wohin die Reise gehen soll und analysieren dann entsprechende Möglichkeiten und Gegebenheiten, wie wir das Ziel erreichen können.

Wer sich nicht im voraus mit den Möglichkeiten beschäftigt, wie das Problem gelöst werden kann, der erreicht das Ziel, wenn überhaupt, eher per Zufall. So heißt es im „Der Weg des Samurai“. Menschen, die sich auf Situationen vorbereiten, sind „nicht nur weise durch Erfahrung, sondern auch bereit, jedes Problem im entscheidenden Augenblick auf bewundernswerte Art zu lösen, geleitet von ihrem früheren Studium verschiedenster Fälle“, beschreibt Tsunetomo Yamamoto den Weg der Samurai.

Vorbereitung zahlt sich aus

Den Teilnehmern des Reportage Workshops bei der Sommerakademie erklärt der Referent, dass er bei einem Auftrag für eine Foto-Dokumentation zunächst tagelang alle Gegebenheiten um die Geschichte herum analysiert. Er hat eine klare Idee, wie das Endprodukt, die Dokumentation aussehen soll. Er malt sich die Geschichte aus, die er erzählen möchte und welche Message er vermitteln will. Dann recherchiert er die Lokation, die Menschen, die Abläufe, die Lichtsituation. Sobald er dann die Dokumentation fotografisch umsetzt hat er eine genaue Vorstellung, welche Bilder er braucht und wann er an welcher Stelle was fotografiert. Die Umsetzung geht dann zügig und lässt somit auch genügend Raum und Zeit, falls notwendig, auf Unerwartetes spontan zu reagieren. Den Teilnehmern des Workshops gibt er die Aufgabe, ihre Perspektive der Weinernte, die während des Workshops auf einem Südtiroler Weinguts stattfindet, fotografisch zu erzählen. Ohne sich von den vielfältigen, auf sie einströmendenden Eindrücken der Weinernte ablenken zu lassen, sollen sie immer ihr Ziel, ihre Geschichte im Auge behalten und entsprechende Bilder produzieren.

Es ist leicht, sich schnell dazu hinreißen zu lassen, einfach alle Eindrücke zu fotografieren und am Ende mit hunderten von Fotos zurück zu kommen, aber mit nicht genügend Bildern für die geplante Story. Das Ziel, eine ganz bestimmte Geschichte zu erzählen, um einen Betrachter der Fotodokumentation zu begeistern und zu berühren ist schnell verfehlt. So geht es uns auch bei vielen anderen Projekten und Aufgabenstellungen im Alltag. Auf dem Weg zum Ziel lassen wir uns durch zu viele Informationen und Störungen, die permanent auf uns einprasseln, ablenken. Eine gute Vorbereitung und das Bemühen, sich das Ziel immer wieder vor Augen zu halten helfen, sich auf die einzelnen Schritte zu fokussieren.

Das Ergebnis genau vorstellen

Es gibt eine Geschichte von einem Tischler in China, der beauftragt wird, innerhalb von sieben Tagen einen Tisch für den Kaiser zu bauen. Sechs Tage passiert nichts, am siebten baut er den perfekten Tisch. Die sechs Tage zuvor hat er sich jeden Tag den Tisch genau vorgestellt und jedes Detail täglich weiter ausgemalt. Am siebten Tag baute er den Tisch ohne Verzögerung in einem Tag. (Die Geschichte soll auf Huainanzi zurückgehen, ein historischer, chinesischer Text, der wissenschaftliche Debatten am Hof des Kaisers Liu An von Huainan aufgreift).

Wie gehen wir vor, wenn ein bestimmtes Produkt in Szene gesetzt werden soll? Teil der Aufgabenstellung ist, dass sich Produkt und Umfeld ergänzen und gegenseitig unterstützen sollen. Die Räumlichkeiten eines Weingutansitzes aus dem 13. Jahrhundert an der Südtiroler Weinstraße bieten endlose Möglichkeiten, einen Hintergrund, Ecke oder Möbelstück mit einem Produkt so zu kombinieren, dass das Fotoergebnis eine im vorhinein definierte Botschaft und Emotion vermittelt. Teilnehmer des Produktfotografie Workshops bei der Sommerakademie werden vom Referenten angeleitet, sich vor dem Fotoshooting Zeit zu nehmen, durch die ehemals noblen Palazzo Räume, Treppenaufgänge und Kellergewölbe zu gehen und umzuschauen. Und zwar ohne Kamera. Ausschnitte von Wandmalereien, Holzmaserungen, Steinrisse, Stuckelemente, Möbeldetails SEHEN. Das ist die Herausforderung. Analysieren, genau hinschauen, Ideen sammeln und erkennen, was vielleicht kein anderer sieht.

Discovery consists of seeing what everybody has seen and thinking what nobody has thought. – Albert Szent-Györgyi

Verschiedene Perspektiven annehmen

Die Aufteilung in mehrere kleine Gruppen hilft, Aspekte und Perspektiven zu sehen, die einem selbst nicht aufgefallen sind. Sich gegenseitig helfen und gemeinsam zu (Bild)Ergebnissen zu kommen, die beeindrucken beflügelt und unterstützt jeden Teilnehmer in seinem Lernprozess.

Die Vorbereitung und Analyse gilt genauso wenn wir anstatt Produkte Menschen vor der Kamera haben. Hier wird auch vor dem Fotoshooting zunächst die Zielsetzung definiert, wofür das Fotoshooting mit dem Modell oder den Personen sein soll. Ein Location Scouting, das Outfit überlegen und organisieren, die Positionen mit dem Modell oder der Person/en und die Technik, insbesondere wenn mit Licht gearbeitet wird, werden im vorhinein vorbereitet. Teilnehmer eines Workshops der Sommerakademie, bei dem die Arbeit mit einem Modell geübt werden soll bereiten sich durch die Erstellung eines Moodboards vor. Ein Moodboard zeigt und vermittelt allen Beteiligten (dem Modell, der Maske, anderen Teilnehmern, dem Kunden oder Referenten) eine klare Vorstellung, was der Fotograf geplant hat. Die Idee, die der Fotograf, oder Workshop Teilnehmer, für ein Foto im Kopf hat, wird durch eine Zeichnung oder Zusammenstellung von Bildbeispielen, Farben und sonstigen Angaben dargestellt. Erst dann beginnt das Fotoshooting mit dem Modell.

Ein klares Ziel vor Augen

Es gibt viele Wege, um sein Ziel zu erreichen. Dafür muss das Ziel zunächst klar definiert sein und dann machen wir uns daran eine Lösung zu finden, wie wir das Ziel erreichen. Schon bei der Vorbereitung, Analyse der Gegebenheiten und Ideenfindung üben wir den Blickwinkel zu erweitern, neue Perspektiven zu gewinnen, die zu einer kreativen Lösung führen. Ändere die Art, wie du Dinge siehst und die Dinge, die du betrachtest, ändern sich.

Perspektive, von lateinisch perspicere‚ hindurchsehen, hindurchblicken, ist der Standpunkt von dem aus etwas in Betracht gezogen oder beurteilt wird. Die Perspektive ist immer an den Ort (die Standpunkte) des Betrachters gebunden. Ändern wir unseren Standpunkt, sprichwörtlich und im übertragenen Sinn kann dies stark die Art und Weise beeinflussen, wie oder was wir sehen. Daher ist es wichtig, dass wir Informationen, Aufgaben oder ein Fotoshooting von vielen verschiedenen Blickwinkeln aus betrachten. Wenn wir es dann schaffen, eine Lösung zu kreieren, die der Betrachter oder Kunde noch nicht so gesehen hat, haben wir die Möglichkeit, seine Sichtweise auf das Problem oder die Situation zu verändern.

Change the way you look at things, and the things you look at change.“ Dr. Wayne W. Dyer


 

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Claudia Brose ist Co-Founder und Inhaber der IF/Academy InspirationFotografie. http://www.if-academy.net

Sie beschäftigt sich mit dem Thema: Wie können wir unsere Aufmerksamkeit und bewusste Wahrnehmung in einer Welt der Überforderung und Reizüberflutung trainieren?

Capture Your Moment. – Für mehr Wachsamkeit im Leben.

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