Anpassen. Geduld üben. Eine gute Zeit haben.

Text Claudia Brose | Photos © John McDermott

Spontanes Fotoerlebnis am Wochenende.

Allen anderen folgen? Der Masse hinterherlaufen wie eine Schafsherde? Wie belämmert ist das denn? Letzten Sonntag haben wir genau das gemacht. Auf die Schafsherde gewartet, mit ihnen gegangen, sie vorbeiziehen lassen, sie fotografiert.

Ein besonderes Erlebnis, das am Ende des Sommers in Südtirol stattfindet. Die Schafe werden von höher gelegenen Bergalmen ins Tal getrieben um dort bei ihren jeweiligen Bauern zu überwintern. Auf der Schutzhütte Nasereit am Meraner Höhenweg angekommen, werden die Hirten mit ihren Schafen und Hunden von Einheimischen und Gästen traditionell mit einem großen Hirtenfest empfangen. Eine recht große Menschenmasse wartete hier bei Musik, Würstchen, Fritten, Krapfen und Bier auf die heimkehrenden Schafe.

Entfernt vom Menschengewühl haben der Fotograf John McDermott und ich uns einen Platz gesucht, der etwas erhöht lag über dem Wanderweg, der von der Schutzhütte in die Bergen geht. Felsbrocken boten gute Sitzgelegenheiten und Wartepositionen. Mit der Zeit verteilten sich mehr und mehr „Zuschauer“ und Besucher des Spektakels am Wanderweg und am Fluss entlang, immer mit erwartungsvollem Blick auf die Berge, von wo die Schafe herunter getrieben werden.

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© John McDermott
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© John McDermott
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© John McDermott

 

Geduld haben. Wie die Schafe.

Wie bei einem Ski Weltcup Rennen, verglich John die Situation, haben wir uns früh eine Position gesucht, von wo aus er die Foto Position testen, eventuell ändern und final bestimmen konnte. Und dann warten bis das Rennen endlich startet. Das kann bei Schnee und Kälte weniger amüsant sein, als bei uns am Sonntag, wo wir die spätsommerliche Sonne genießen konnten.

Johns langjährige Erfahrung, Skirennen und anderen Wettkämpfe zu fotografieren, bewiesen sich bei der Suche und Auswahl geeigneter Fotoshooting Positionierungen als hilfreich. Es gilt zu erkennen, von welchem Punkt aus die zu fotografierenden Subjekte so zu erfassen sind, dass die Perspektive, der Hintergrund, das Umfeld, das Licht, die Sonneneinstrahlung stimmig sind.

Endlich, nach zwei Stunden warten, glücklicherweise bei relativ angenehmen Temperaturen, kommen die ungefähr 1300 Schafe wie ein ewig langer Zug getrottet und gerannt. Weiße und braune Schafe, schwarze Lämmer und weiße kleine Schäflein, die meisten bepinselt mit roten, grünen, blauen oder gelben Farbmarkierungen wie Graffiti, kamen den schmalen Wanderweg entlang gelaufen. Und mit „laufen“ meine ich entweder „getrödelt“ oder „gerannt“. Einige sahen aus, als ob sie ein Wettrennen gewinnen wollten, wer als erstes unten ist, andere schien es nicht zu kümmern, ob sie jeweils ankamen, solange sie alles auf dem Weg erkunden konnten.

Vorbereitung ist gut. Anpassung ist besser.

Bei Skirennen und anderen Sportwettläufen sind die Rennstrecken genau markiert und bekannt. Das hilft bei der Positionierung. Und dann bleibt es der individuellen Kreativität und Erfahrung überlassen, daraus etwas fotografisch Interessantes zu kreieren. Bei Schaf-Rennen ins Tal musste nun doch Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an den Tag gelegt werden. Die sich weit erstreckende Wiesenfläche, auf die wir einen idealen, erhöhten, Hindernis-freien Blick hatten, wurde von den 1300 Schafen leider nicht als perfekte Fotoshooting Location gesehen. Stattdessen fanden sie es spannender, sich auf dem schmalen Wanderweg wie durch einen Flaschenhals zu quetschen und unbedarfte Wanderer über den rettenden Zaun aus dem Weg springen zu lassen.

Die erhöhte Fotoshooting Position bot für einige Bilder eine gute Perspektive. Für andere war es besser sich weiter nach unten und näher zum Wanderweg beziehungsweise Schafsweg zu bewegen, um von dort die Schafe ohne Zuschauer und auf Augenhöhe der Vierbeiner zu fotografieren. Bis ein Strom von 1300 blökenden Tieren den Weg an uns vorbeigezogen war blieb ausreichend Zeit, andere Shooting Positionen einzunehmen.

Perspektive verändern.

Auch wenn John vornehmlich mit einem Weitwinkel Objektiv fotografierte, hat er durch sorgfältige Auswahl des Bildausschnittes und seiner Positionierung Bilder kreiert, die den Eindruck erwecken, als dass wir auf weiter Flur alleine mit den Schafen seien. Die Dokumentation des Ereignisses in sein Gesamtbild eingebettet, die Menschen(massen), die Hirten und die festliche Hüttenaktivität gehören aber natürlich auch zum Erlebnis und damit zur Fotoreportage.

Die „bunten“ Schafe wurden in einem großen Gehege neben der Schutzhütte gesammelt, bis sie von ihren jeweiligen Besitzern identifiziert und eine letzte kurze Strecke in ihren Stall im Tal transportiert werden. Hier hätte ich gerne eine Drohne gehabt, um aus der Vogelperspektive die riesige Schafsherde in ihrem Gehege neben der riesigen Menschengruppe daneben im Außenbereich der Hütte zu sehen und zu fotografieren. Wir haben uns dann auf den Heimweg gemacht, da wir weder in der vierbeinigen noch in der zweibeinigen Herde verweilen wollten.

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