Respekt – verstaubt, verdrängt, vergessen?

Text Claudia Brose | Photo by Tiago Felipe Ferreira on Unsplash

Respekt – verstaubt, verdrängt, vergessen?

Über das Jahr reflektierend, möchte ich einen Begriff und Wert herausgreifen, der mir wichtig ist und ich als Anregung für 2019 weitergeben möchte: Respekt.

Warum Respekt?

Weil ich manchmal das Gefühl nicht loswerde, dass dieser Wert an Wert verliert. Dabei brauchen wir mehr denn je Respekt für uns selbst, Respekt für andere.

Respekt ist eine Form der Wertschätzung. Für uns selbst, für die Menschen um uns herum, für unser Umfeld, für die Natur, für das Leben. Sollte eigentlich selbstverständlich sein. Ist es aber irgendwie nicht mehr. Nicht, dass im Laufe der Geschichte oft an dem Wert Respekt gezerrt und gerüttelt wurde. Aber im letzten Jahr kamen mir sehr oft Gedanken zu Respekt – und was damit passiert ist. Das Konzept von „Respekt“ fühlt sich für mich mehr denn je angeschlagen an, wenn ich an gewisse Personen in mächtigen politischen und wirtschaftlichen Ämtern oder an den Alltag denke. Es scheint verdrängt, wenn ich an das Verhalten einiger Menschen auf der Welt denke.

„Respekt ist kostenfrei. Und doch für kein Geld der Welt zu haben. Er stärkt unser Ego und ist ein Zeichen von Würde“, schreibt Bettina Schöbitz in einem Artikel über Respekt.

Respektvolle Lebensweise

Treten wir einen Schritt zurück und betrachten uns das Big Picture, sollten wir uns immer wieder vor Augen halten, dass wir durch eine respektvolle Lebensweise eine humane, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit erreichen können. Leider denken wir Menschen meistens kurzfristig, ohne Weitsicht, ohne Respekt für die Zukunft. Respektvoller Umgang schafft eine Gemeinschaft mit Zukunft.

Respekt und Aufmerksamkeit

Der Begriff Respekt ist eine Ableitung aus „respektieren“, was „achten, anerkennen, gelten lassen“ bedeutet. Es stammt aus dem Wort „respecto“, was „zurücksehen, berücksichtigen, hinsehen“ bedeutet. Schenken wir einer Person unsere Aufmerksamkeit, dann schauen wir genauer hin, lernen etwas über die Person und verstehen sie besser. Dadurch haben wir ein klareres Bild und können sie besser beurteilen. Wir nehmen eine respektvolle Haltung an, zeigen der Person unseren Respekt und die Interaktion und Kommunikation läuft auf einer anderen Basis ab. Das hilft in der Begegnung mit Fremden, Kollegen, Geschäftspartnern oder in der Familie und unter Freunden. Aufmerksamkeit und Respekt sind direkt miteinander verwoben.

“Genuine respect will come about if we have more contact with one another and come to understand each other’s values”, beschreibt der Dalai Lama.

Die Fotografie und Respekt

Mit der Kamera können wir einen respektvollen Abstand schaffen zwischen dem Subjekt, dem Menschen auf der Straße und dem Fotografen. Wenn wir eine Person zum Beispiel bei Streetphotography „heimlich“ fotografieren, ohne dass die fotografierte Person das merkt, könnte der Akt des Fotografierens als respektlos betrachtet werden. Wären dann die Bilder, die Henri Cartier Bresson gemacht hat „respektlos“ den Menschen gegenüber, die er in den Straßen von Paris und anderswo aufnahm? Oder ist es rücksichtsvoll, weil er nicht in die Privatsphäre der Menschen eintrat und sie gebeten hat für ein Bild zu posieren? Wenn Paparazzi den Stars und Personen öffentlichen Interesses mit der Kamera hinterherlaufen und alles daranlegen, auch die Privatsphäre zu durchbrechen um ein Foto zu erhalten, ohne das Subjekt zu fragen, dann ist die Kamera ein Werkzeug für ein respektloses Verhalten. Möchten wir Menschen fotografieren, die unser Interesse geweckt haben, auf der Straße, auf Reisen, an fremden oder bekannten Orten, die wir entdecken, kann die Kamera ein Werkzeug sein, mit Menschen in Kontakt zu treten. Wir können eine Kommunikation starten, fragen, ob wir ein Foto machen können und zeigen der Person unseren Respekt damit. Das „Modell“ fühlt sich „beachtet“, „anerkannt“, freut sich. Wir nehmen nicht nur ein Bild mit nach Hause sondern vielleicht auch eine kleine Geschichte der Begegnung. Basierend auf respektvollem Umgang miteinander.                                                                                                                                                                                    

Respekt für uns selbst und für andere

Wir sollten nie den Respekt für uns selbst vergessen. Aufmerksamkeit und Respekt für unser eigenes Wohlbefinden, ob körperlich, wie Stress, Burnout oder Wohlfühlen wahrzunehmen, oder geistig, wie Einstellungen, Werte und innere Haltung sind eine wichtige Lebensgrundlage. Mit einer gesunden, respektvollen Haltung sich selbst gegenüber ist es auch einfacher, anderen Menschen Respekt zu zeigen. Wertschätzung und Anerkennung für sich selbst bietet die Grundlage, auch andere anzuerkennen und mit Respekt zu behandeln.

“If we cultivate respect for others and our motivation is sincere, if we develop a genuine concern for others’ well-being, then all our actions will be positive” – vermittelt der Dalai Lama.

Respektvoller und aufmerksamer Umgang in privaten Beziehungen, mit dem Partner, den Kindern, unter Freunden oder in beruflichen Beziehungen, mit Kollegen, Geschäftspartnern, Kunden erzeugt positive Energien, Lösungsmöglichkeiten und effizientere Abläufe. „Dein Gegenüber zu achten heißt, ihn zu erkennen. Ihn nicht beurteilen zu wollen heißt, ihn einschätzen zu können“, schreibt Bernhard Moestl in seinem Buch Shaolin.

Mit zu vielen Menschen, die immer geballter auf weniger Platz zusammenleben, mit dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen und mit einer notwendigen Kommunikation zwischen den Generationen brauchen wir mehr denn je RESPEKT als Basis für unser menschliches Zusammenwirken.

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